Überschuldung

Die Anzahl der überschuldeten Haushalte ist seit 1988 kontinuierlich gestiegen. Wir gehen für das Jahr 2017 von rund 3,5 Mio. überschuldeten Haushalten aus.

Seit 1990 beschäftigen wir uns intensiv mit den Zusammenhängen von Konsumverhalten, Verschuldung und Überschuldung. Uns interessiert dabei nicht nur die Beschreibung pluralisierter Konsumstile, sondern auch wie und wo sie entstehen. Unsere Ergebnisse sind die Bausteine einer Theorie der Verschuldung und Überschuldung.Unter Verschuldung verstehen wir jede Form des Eingehens von Zahlungsverpflichtungen, die ökonomisch und juristisch geregelt ist und von Gläubigern und Schuldnern ein rollenkonformes Verhalten erwarten lässt.

Das Eingehen von Verschuldung ist konstitutiv für unser Wirtschaftssystem. Ohne die durch Verschuldung möglichen Investitionen würde es kein wirtschaftliches Wachstum geben. Dies gilt für die Produktion von Gütern ebenso wie für deren Nachfrage und Verbrauch. Zum Beispiel verwenden junge Familien in der Aufbauphase Kredite zur Finanzierung ihres Konsums. Jedes Jahr werden rund 4 Mio. neue Ratenkredite aufgenommen, Verschuldung ist damit zu einem akzeptierten und üblichem Verhalten geworden. Die Anzahl der Kredite (~2,5-3%), die von den Kreditnehmern nicht zurückgezahlt werden können, zeigen jedoch auch die Risiken. Durch Arbeitslosigkeit, Trennungen und Scheidungen, durch Schicksalschläge bei Niedrigeinkommen, aber auch durch wirtschaftliches Unvermögen kann aus einer Verschuldung schnell eine Überschuldung werden.

Überschuldung liegt vor, wenn der nach Abzug der notwendigen Lebenshaltungskosten verbleibende Einkommensrest nicht mehr ausreicht, die eingegangenen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen und eine psychosoziale Destabilisierung gegeben ist. Auf der psychischen Ebene beginnt die Destabilisierung bei Scham, Selbstvorwürfen, Nervosität und Schlaflosigkeit und sie endet beim Suizid oder Tötungsaffekt. Auf der sozialen Ebene reicht die Spannbreite von wechselseitigen Schuldzuweisungen über Trennung bis hin zur Gewalttätigkeit und Isolation. Häufig kommen gesundheitliche Krisen hinzu.

Wir haben diese Zusammenhänge und Entwicklungen seit 1988 in Gutachten, Aufsätzen und Vorträgen auf nationaler wie auf internationaler Ebene dokumentiert und kommentiert:

  • Finanzielle Allgemeinbildung
  • Prävention der Verschuldung
  • Verantwortliche Kreditaufnahme
  • Einsatz von Scoringverfahren
  • Definitionen von Ver- und Überschuldung
  • Ursachen der Überschuldung
  • Zugang zu Finanzdienstleistungen
  • Ergebnisse der Schuldnerberatung

Als Gründungsmitglied des Europäischen Konsumentenschulden Netzwerkes bringen wir unsere wissenschaftlichen und praxisbezogenen Erkenntnisse kontinuierlich in die öffentliche und politische Diskussion ein.

Aktuelle Publikationen zum Thema

Money matters
Financial Education in Germany

in: Money Matters No. 15/2017: 12-14
European Consumer Debt Network (ECDN), 2017

Money matters
Household Overindebtedness in Germany
Behavioral, Social and Socio-economic Factors

in: Europa Regionum No. 30, 2017, S. 49-65

Scoring
Scoring nach der Datenschutznovelle 2009 und neue Entwicklungen

Bundesministerium des Innern, 2014

Weitere Publikationen in der Gesamtübersicht.

FAMILIE UND GESELLSCHAFT
Familie und Gesellschaft
GESUNDHEIT
Gesundheit
ÜBERSCHULDUNG
Überschuldung